Das Schwiegershäuser Ortswappen

 

 Es war der 20. Mai des Jahres 1951, als das Dorfwappen der Gemeinde Schwiegershausen am Fest der Heiligen Dreieinigkeit im Gottesdienst, zu dem sich über 300 Teilnehmer - darunter 80 vorwiegend junge Abendmahlsgäste- eingefunden hatten, seine Weihe empfing und im Rahmen eines inhaltreichen Heimatabends in Anwesenheit eines Vertreters der Regierung Hildesheim durch den Landrat und den Oberkreisdirektor, dem damaligen Bürgermeister August Köhler und dem damaligen Gemeindedirektor Werner Waldmann feierlich zu treuen Händen übergeben wurde. Das innere Gewicht jener dorfgeschichtlichen Begebenheit kommt in der vom Gemeinderat einstimmig beschlossenen und vom Niedersächsischen Innenminister offiziell genehmigten Begründung des Wappeninhalts zum Ausdruck. Sie hat folgenden Wortlaut: „Die Gemeinde Schwiegershausen erkor sich ihren in frühgotischer Zeit (um 1250) entstandenen Taufstein einmütig als Symbol für ihr Wappen, im Hinblick darauf, dass viele Generationen aus ihm die Taufe empfangen haben und noch empfangen werden. Die unter der Schwere ihrer Frucht sich neigenden Ähren dienen als Hinweis auf die Verwurzelung der Gesamtgemeinde im heimatlichen Boden, aus dem ihr die tägliche Nahrung zuwächst. In dieser Sinndeutung kommt das Wissen um den Zusammenhang von Erdnähe und Gottesnähe, Natur und Geist, Zeit und Ewigkeit als die Grundvoraussetzung einer echten Dorfgemeinschaft zum Ausdruck .wird auch in Zukunft seine Aussagekraft erweisen. Dieses Wahrzeichen, dessen Entwurf aus der Hand des Heraldikers Völker (Hannover) stammt, begegnet im Siegel der Gemeindebehörde und der Schulbehörde, sowie auf den Einbänden einer großen Zahl von Familienstammbüchern junger Ehepaare. Es begegnet ferner auf dem von Studienrat Heinrichsen (einst Graphiker an der Werkkunstschule Hannover) gestalteten Konfirmationsgedächtnis-Schein, der nunmehr zehn Jahrgängen der Silbernen und Goldenen Konfirmanden (insgesamt 370) jeweils anlässlich ihrer gemeinsamen Konfirmationsgedächtnis-Feier ausgehändigt wurde. Die meisten von ihnen haben ihn -silbern bzw. golden gerahmt- an die Wand ihrer Wohnung gehängt, so dass er in der Mehrzahl der Häuser sichtbar in Erscheinung tritt. In kunstvoller Weise erscheint das Schwiegershäuser Wappen - mit bunter Seide gestickt - auf der Fahne des Gemischten Chors, und in nicht minder eindrucksvoller Gestalt - von einem Glied der Dorfgemeinde (Gerhard Schmidt, Hs. Nr. 32) aus schwerem Eichenholz geschnitzt- über dem Eingang der Sporthalle, links und rechts flankiert von ebenfalls aus Eiche geschnitzten Turnerkreuzen. Auch in Stein gemeißelt ist dieses Symbol anzutreffen: auf dem Findling, der zur Linken des auf dem Höhepunkt des Schwiegershäuser Friedhofs sich erhebenden Sandstein-Kreuzes zum Gedenken an die Opfer des 2. Weltkriegs errichtet worden ist.

 

Drei richtungweisende Gesichtspunkte gaben bei der Wahl des Wappeninhalts den Ausschlag:

 

1. Er sollte in unmittelbarer und spezieller Beziehung zur Chronik des Dorfes stehen.

2. Er sollte sich zur künstlerischen Gestaltung im Rahmen eines Wappens besonders eignen.

3. Er sollte einen geistigen Sinn verkörpern, der sich nicht nur auf eine Zeitepoche beschränkt.

 

Ein Allgemein-Symbol würde dieser dreifachen Anforderung nicht genügen, ebensowenig aber ein Museumsstück, das nicht mehr in lebendigem Gebrauch steht und darum bereits losgelöst wäre von der äußeren und inneren Geschichte des Ortes; hingegen erfüllt dieser Taufstein alle Vorbedingungen in kaum zu überbietender Weise.

 

(Quelle: O. Wachinger in der Festschrift zum Doppeljubiläum der Gemeinde Schwiegershausen900 Jahre Dorfgemeinde / 400 Jahre Pfarrgemeinde, Seite 34)